Wintersaison zwischen Jammer und Jubel: Tourismus zuerst sachlich analysieren, dann an einem Strang ziehen

Bei 1/2 Mio Arbeitsloser will ÖHV-Präsidentin Reitterer die Nächtigungsrückgänge nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern Old und New Economy zusammenführen.

Wien (OTS) - „Wenn die Feiertage wie in dieser Wintersaison ungünstig fallen und der Schnee sehr spät, kommen die Ferienregionen unter Druck. Aber wir können dem entgegenwirken“, erklärt Michaela Reitterer, Präsidentin der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) zu den vorliegenden Ergebnissen der Wintersaison von November bis Jänner. Die Zahl der inländischen Gäste sank um 0,9 %, praktisch parallel zu den internationalen Märkten mit einem Rückgang um 1 %.

In Datenqualität investieren

Die Prognose der Bundesregierung, dass den Österreichern mehr Geld für den Urlaub bleibt, könnte sich als zu optimistisch herausstellen, wie auch erste Daten aus Wien für 2016 nahelegen: Dort nahmen die Nächtigungen um 4,4 % zu, die Umsätze um 0,2 %: Für die einzelne Nächtigung wurde weniger ausgegeben, der Hotelier hatte, nicht zuletzt durch die Umsatzsteuererhöhung, höhere Kosten. Reitterer wünscht sich eine sachliche Analyse und bessere Daten auf Bundesebene: „Bitte kein Krankjammern, aber auch kein Jubel über Zwischenzeiten wegen 1 % Nächtigungen! Ärmel hoch und anpacken, es geht um die Wertschöpfung!“

Arbeitsmarkt neu denken

Der Arbeitsmarktgipfel mit ÖHV und Wirtschaftskammer, Gewerkschaft vida und AK hat gezeigt: Es ist möglich, dass alle an einem Strang ziehen und aus ihrer Sicht auch notwendig. „Daran führt wohl kein Weg vorbei. Gemeinsam sind wir stärker. Und davon sollen alle profitieren“, hält Reitterer fest. Neben der beschlossenen KV-Erhöhung gehören dazu auch mehr Mobilität am Arbeitsplatz und Kinderbetreuung auch für die, die nicht nur 9 to 5 arbeiten: „Egal, in welcher Branche, egal ob selbständig oder unselbständig!“

Steuern senken

Umsatzsteuererhöhung, Auflösungsabgabe und die Streichung der Energieabgabenvergütung belasten die Hotels. Doch die Lohnnebenkostensenkung wurde so konstruiert, dass Hotels davon nicht profitieren. „Vor allem KMU kommen an die Grenzen der Belastbarkeit.“ Eine aktuelle Analyse der österreichischen Hotellerie warnt: Ein Viertel der Betriebe ist bereits über der Grenze.

Synergien zwischen Old und New Economy nutzen anstatt sie gegeneinander auszuspielen

Derzeit schießen Förderungen für engagierte Jungunternehmer genauso aus dem Boden wie Bürokratie und Steuererhöhungen für engagierte Unternehmer, die seit Jahrzehnten ein Vielfaches an Wertschöpfung hart erarbeiten, Arbeitsplätze in der Region schaffen und Steuern zahlen. Reitterer wünscht sich im ersten Schritt mehr Balance und im zweiten, beide zusammenzuspannen: „Wir werden weder ein Silicon Valley noch ein Disneyland. Schließen wir die Lücke zwischen Old und New Economy und nutzen wir die Vorteile strategisch“, so Reitterer. Entscheidend ist aus ihrer Sicht der Wissenstransfer von der Forschung in die Wirtschaft: „Wir haben so viel Know-how in der Forschung, so viele engagierte Unternehmer mit einem großartigen Angebot. Setzen wir dort den Hebel an!“ Dass Österreich als Tourismusweltmeister sich leistet, keinen Tourismuslehrstuhl zu haben, hält sie für kurzsichtig: „Wir müssen an die nächste Generation denken, in Know-how und Innovation investieren.“

Angebotsentwicklung und Marktbearbeitung

„Wir haben Top-Hotels und ein Freizeitangebot mit Infrastruktur auf Weltniveau. Und das alles wird nur halb genutzt. Gleichzeitig sucht eine halbe Million Österreicher Arbeit. Weder das eine noch das andere ist notwendig: Überbrücken wir die Schließzeiten im Tourismus durch innovative Angebote und vermarkten wir die“, plädiert Reitterer für eine Offensive in Richtung Ganzjahresangebote: Ausschlaggebend dafür sind auch eine wettbewerbsfähige Dotierung der Tourismusorganisationen und eine Ausrichtung auf den Verkauf: „Unsere Tourismusorganisationen leisten international ausgezeichnete Arbeit, das zeigen die jüngsten Auszeichnungen. Dass wir diese Marketing-Power nicht durch die Einrichtung eines Point of Sale in bare Münze umwandeln, ist ein Luxus – und den können wir uns wirklich nicht leisten“, wünscht sie sich eine kritische Auseinandersetzung mit der Struktur der Tourismusorganisationen.

Blick nach vorne

„Wir können die Rückgänge im Winter nicht rückgängig machen. Aber wir sollten alles daran setzen, sie aufzuholen und uns für die nächsten Jahre so gut aufzustellen, mit einem breiteren Angebot und einer offensiveren Bewerbung, dass wir das besser abfangen können“, so die Branchensprecherin. Sie wünscht sich mehr beschäftigungs- und standortpolitischen Fokus auf die Dienstleistung, die vor Ort Arbeitsplätze und Wertschöpfung schafft. Reitterer vertritt als Präsidentin der unabhängigen ÖHV rund 1.400 Betriebe in ganz Österreich. Mit rund 160.000 Betten haben die ÖHV-Mitglieder rund 2/3 der 4- und 5-Sterne-Betten Österreichs für ihre Gäste im Angebot. Pro Jahr erwirtschaften sie 3 Mrd. Euro, die Tourismus- und Freizeitbetriebe zusammen 15 % des Bruttoinlandsprodukts.

Ein Portraitbild von ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer finden Sie hier:
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