Bartgeier-Wiederansiedlung in Europa – Gesund in die Freiheit im Nationalpark Hohe Tauern (Kals am Großglockner, Tirol)

In Kals wurde am 15.9.2017 im Nationalpark Hohe Tauern Bartgeier „Lea“ freigelassen – nicht wie üblich ein Jungvogel, sondern ein verletzter und wieder gesund gepflegter Bartgeier.

Matrei in Osttirol (OTS) - Durch die langjährige und hartnäckige Arbeit zahlreicher Partner wie unter anderem des Vereins österr. Eulen- und Greifvogelgesellschaft (EGS Österreich), des Alpenzoo Innsbruck und dem Nationalpark Hohe Tauern wird der ursprünglich vom Menschen ausgerottete Bartgeier wieder im Alpenraum heimisch.  Seit fast drei Jahrzehnten dauert die Wiederansiedlungsarbeit im Alpenraum und Mitteleuropa an und zeigt deutlich wie aufwändig die Ansiedlung einer ausgerotteten Art ist.  

Bartgeier „Lea“ wurde vor 2 Jahren am 28.5.2015 im Kalser Dorfertal freigelassen. Aufgrund der geringen Bewegung des Vogels wurde er in der italienischen Provinz Sondrio im Spätwinter 2017 eingefangen und zur Untersuchung  und Pflege in die Zuchtstation der EGS nach Haringsee gebracht. Beim Vogel konnten keine inneren Verletzungen oder Vergiftung festgestellt werden, jedoch zahlreiche gebrochene Federn – derzeit wird von einer Kollision mit Seilen bzw. ähnlichen Hindernissen ausgegangen.

 Hintergrundinformationen zum Bartgeier:

Neben dem Steinadler ist der Bartgeier der bekannteste Großvogel in den Hohen Tauern. Der Bartgeier mit seiner beeindruckenden Flügelspannweite von bis zu 2,9 m war einst ein weit verbreiteter Brutvogel der Alpen. Menschliche Verfolgung (Stichwort „Lämmergeier“) hat diesen Aasfresser dermaßen dezimiert, dass um 1910 die Bartgeier quasi ausgestorben waren. Diesem Aasfresser wurde zu Unrecht nachgesagt, dass er Gämsen, Lämmer und auch kleine Kinder erbeuten würde. Bartgeier verwerten als Aasfresser auch was andere Tiere wie Adler, Kolkrabe oder Fuchs von ihrer Beute übriglassen – nämlich die Knochen (diese machen 90% der Nahrung aus). 

Der Nationalpark Hohe Tauern hat in den Hohen Tauern wesentliche Meilensteine im Rahmen eines aktiven Artenschutzes gesetzt. Jährlich werden in einem der drei Nationalparkbundesländer Bartgeier freigelassen. Solange sich keine stabile Population mit entsprechenden Bruterfolgen einstellt (Eigenaufkommen), müssen im Rahmen des aktiven Artenschutzes Freilassungen von Jungtieren durchgeführt werden. Die erste Bartgeierfreilassung erfolgte 1986 im Nationalpark Hohe Tauern mit Zuchttieren des Alpenzoo Innsbruck.

Dank der Artenschutzmaßnahmen sind heute Steinadler und Bartgeier ständige Begleiter im Nationalpark Hohe Tauern. Zusätzlich stellen die Hohen Tauern traditionell einen Sommerlebensraum für Gänsegeier aus südlichen Ländern dar. 

Steckbrief Bartgeier:

SPANNWEITE:             BIS 2,9 M 

ERNÄHRUNG:             KNOCHEN/AAS

GSCHLECHTSREIFE:    5 - 7 JAHRE

ALTER:                        BIS 50 JAHRE

LEBENSRAUM:            GEBIRGE

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Florian Jurgeit
Nationalparkverwaltung Tirol
0664-2516136
florian.jurgeit@tirol.gv.at

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