Jobgipfel: Pragmatische Lösungen das Um und Auf

Die Arbeitgeber im Qualitätstourismus wollen mehr Praxisbezug, Fokus auf Jobmotoren und Mitarbeiter entlasten. Die Branche links liegen zu lassen wäre ein Fehler.

Wien (OTS) - Laut aktuellen AMS-Zahlen ist der Tourismus mit einem Rückgang der vorgemerkten Arbeitslosen um 10,3% einer DER Jobmotoren im Land, die vor- und nachgelagerten Effekte strahlen in viele Branchen aus. Damit dies so bleibt, braucht es zeitgemäße und vorausschauende Regeln für den Arbeitsmarkt, die mit Praktikern abgestimmt werden müssen, erklärt das Präsidium der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) in einer Sitzung in Salzburg. Der 1. Jänner als Start für die Regionalisierung der Mangelberufsliste sei äußerst unglücklich, eine weitgehende Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte ohne Alternative und es sei zu klären, wie das bessere Abrufen des inländischen Mitarbeiterpotenzials wie auch des Fachkräftepotenzials aus der EU konkret umgesetzt werde. Unverzichtbar ist eine sachliche, an Fakten wie der Nächtigungsentwicklung orientierte Entwicklung der Saisonnier-Kontingente.

Erfolg als Ergebnis guter Arbeit

Tirol liegt zum wiederholten Mal beim Rückgang der Arbeitslosenrate mit 15,5% vor allen anderen Bundesländern, weist mit 3,5% auch die niedrigste Arbeitslosenrate auf, gefolgt von Salzburg mit 4,1%, Oberösterreich (4,7%, einziges Nicht-Tourismusland im vorderen Feld) und Vorarlberg mit 5,2%: „3 der 4 besten sind Tourismusbundesländer. Das ist kein Zufall, das ist ein Erfolgsrezept“, plädiert das ÖHV-Präsidium dafür, die Branche stärker in den Fokus der Arbeitsmarktpolitik zu rücken: „Wir müssen in Chancen denken: Saisonen ausweiten statt beklagen, Lohnnebenkosten senken und KMU entlasten“, wünscht sich ÖHV-Vizepräsident Klaus Hofmann, GF St. Martins Therme & Lodge, ein Umdenken.

Von vornherein zum Scheitern verurteilt: Rot-Weiß-Rot-Karte

Die Reform der Rot-Weiß-Rot-Karte ist für Heike Ladurner-Strolz ÖHV-Landesvorsitzende in Vorarlberg und selbst im Hotel Zimba in Schruns Arbeitgeberin, ein Gebot der Stunde: „Diese Regierung wird ja nicht den Fehler der Vorgänger wiederholen und den Jobmotor Tourismus links liegen lassen“, plädiert sie für eine umfassende Reform: „Das größte Manko ist, dass da ein paar Bürokraten mit einer Branche Wünsch-dir-was gespielt haben. Das Ergebnis ist bekannt“, verweist Ladurner-Strolz auf 1.800 statt geplanter 8.000 Fachkräfte via Rot-Weiß-Rot-Karte pro Jahr und vielen Tausend Arbeitsplätzen, die nicht besetzt werden können: „Weil die Kriterien einfach nicht passen.“

200.000 Arbeitsplätze in KMU oder eine Handvoll in der Sharing Economy

Die Alternative zu besetzten Stellen in Qualitätshotels ist weniger Service, im Extremfall die Sharing Economy samt massiven Einschnitten bei Steuern und Sozialabgaben: „Um dasselbe Geld wie im Hotel entstehen da ein paar Arbeitsplätze im Silicon Valley und kein einziger in Österreich“, wünscht sich Sophie Schick, Direktorin im Boutique Hotel Hauser in Wels, mehr Politik für Arbeitgeber in Österreich statt immer noch mehr für die Start-ups in der Bubble: „Den einen wird der rote Teppich ausgerollt, dabei zahlen die anderen Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Kammerumlagen.“

Mangelberufe und Saisonniers: Koch ohne Hilfskoch aufgeschmissen

„Die Regionalisierung der Mangelberufsliste ist unverzichtbar, um das ‚Werkl‘ am Laufen zu halten“, bestätigt ÖHV-Vizepräsident Albert Schwaighofer, der im Adler Resort in Saalbach-Hinterglemm 70 Mitarbeiter beschäftigt: „Das funktioniert nur, weil sich die Teams aufeinander verlassen können: Da braucht es den Koch, den Hilfskoch, den Abwäscher, das Service“, drängt er auf mehr Praxisbezug: „Solange die Politik Arbeitslosen in Wien einen Arbeitsplatz im Westen nicht zumuten will, werden wir die Saisonniers brauchen“, fordert er Pragmatismus statt Ideologie in der Arbeitsmarktpolitik: „Wer Saisonniers aussperrt, soll sich selbst in die Küche stellen oder EU-Bürger schicken, die dort arbeiten wollen“, verweist er darauf, dass der Koch auf der Mangelberufsliste auch den Hilfskoch aus dem Saisonnier-Kontingent braucht: „Sonst ist er aufgeschmissen.“

Schluss mit Arbeitsplatzvernichtung

Wenn Unternehmer Betriebsteile schließen oder die Qualität reduzieren, müssen die Alarmglocken schrillen. So wird von a la carte auf Menü oder Buffet umgestellt oder von Hotel auf Apartment: „Das vernichtet Arbeitsplätze“, kritisiert ÖHV-Vizepräsident Alexander Ipp, selbst mit seiner Hotelgruppe auf Expansionskurs, dass die Arbeitsmarktpolitik Unternehmer in der Hochkonjunktur in die Knie zwingt: Die Rot-Weiß-Rot-Karte schließt den Arbeitsmarkt für mehr Branchen als sie ihn öffnet: „Ja zu Start-ups, EPUs und Technikern, aber davon haben Kellner, Handelsangestellte und Tischler nichts, wenn sie zum Stempeln gezwungen werden, weil Kollegen oder Aufträge fehlen.“

Kinderbetreuung nicht nur für 9 to 5

Im August hat der KMU-dominierte Tourismus 9.212 offenen Stellen gemeldet, um 800 mehr als die Industrie! „Damit das so bleibt, muss sich vieles ändern“, fordert das ÖHV-Präsidium konkrete, mit Praktikern akkordierte Schritte: „Etwa in Alternativen denken, wenn die Politik die Kinderbetreuung nicht ausbauen kann. Denn in Wahrheit sind ja nicht unsere Arbeitszeiten familienfeindlich, die Kinderbetreuung ist tourismus-, aber auch polizei-, arzt- und krankenschwesternfeindlich“, wünscht sich Florian Werner, ÖHV-Vizepräsident, selbst Arbeitgeber im Arlberg Hospiz Hotel, dass die Politik nicht alle im Regen stehen lässt, die nicht 9 to 5 arbeiten: „Auch das ist Arbeitsmarktpolitik.“

ÖHV will Mitarbeiter entlasten

Die zu erwartende Kritik von Arbeitnehmer-Organisationen an Gehältern und Arbeitszeiten weist ÖHV-Präsidentin Michaela Reitterer zurück: Sinkende Arbeitslosenzahlen helfen doppelt: Die Steuerquote sinkt, mehr Mitarbeiter in den Betrieben erleichtern die Arbeit.

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