BELVEDERE: Donna Huanca. Piedra Quemada

Eröffnungs-Performance von Donna Huanca morgen im Unteren Belvedere - Ausstellung bis 6. Jänner 2019

Das Renommee und die Anziehungskraft des Belvedere sehen wir auch als Auftrag, experimentellen Künstlerinnen und Künstlern am Anfang ihrer Karriere eine große Bühne zu geben. Es ist gerade das Flüchtige in Donna Huancas Arbeit, das Vergängliche, das ich mit dem historischen Bauwerk in einen spannenden Kontrast setzen wollte. In einer Zeit, in der darstellende Mittel in der bildenden Kunst große Bedeutung haben, ist Huanca aktuell ebenso radikal und wegweisend wie Tino Sehgal in den Nullerjahren.
Stella Rollig, Generaldirektorin Belvedere und Kuratorin der Ausstellung

Wien (OTS) - Das Belvedere lädt die aufstrebende Künstlerin Donna Huanca ein, in den historischen Räumen einen multisensorischen Kosmos aus Skulptur, Malerei, Videoarbeiten, Klangelementen und Liveperformances zu erschaffen. Am 27. September 2018 wird die Ausstellung in einer spektakulären Performance mit 16 Modellen und Live-Musik eröffnet.

In ihrer Inszenierung stellt Donna Huanca im ehemaligen Privatbereich des Prinzen Eugen von Savoyen der selbstbewussten Zurschaustellung männlicher Macht und Potenz ein weibliches Universum gegenüber. Das barocke Schloss wird Schauplatz einer Reise, die als Weg vom Hellen ins Dunkle symbolisch für die Bewegung von oberflächlicher Wahrnehmung zu Einsicht und Erkenntnis führt.

Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere und Kuratorin der Ausstellung, über ihre Beweggründe, dieses innovative Projekt zu zeigen: Das Renommee und die Anziehungskraft des Belvedere sehen wir auch als Auftrag, experimentellen Künstlerinnen und Künstlern am Anfang ihrer Karriere eine große Bühne zu geben. Es ist gerade das Flüchtige in Donna Huancas Arbeit, das Vergängliche, das ich mit dem historischen Bauwerk in einen spannenden Kontrast setzen wollte. In einer Zeit, in der darstellende Mittel in der bildenden Kunst große Bedeutung haben, ist Huanca aktuell ebenso radikal und wegweisend wie Tino Sehgal in den Nullerjahren.

Modelle, deren Körper mit Farben und textilen Elementen gestaltet sind, bewegen sich, lebenden Bildern gleich, konzentriert und meditativ durch die Ausstellung. Sie werden mit historischen Pendants in Form von lebensgroßen weißen weiblichen Skulpturen konfrontiert. Ein Klangteppich unterstreicht den meditativen Charakter der multisensorischen Szenerien. Der ephemere Charakter der Performances steht im unmittelbaren Dialog mit den Gemälden und Plastiken, die konstanter Bestandteil der Schau sind. Diese Gegenüberstellung von klassischer Skulptur und Liveperformance erzeugt ein Spannungsfeld zwischen Statik und Bewegung, Vergangenheit und Gegenwart. Die an den Wänden hinterlassenen Farbspuren der Modelle machen Zeit sichtbar und sorgen für eine kontinuierliche Transformation des Raums.

Die Künstlerin bezeichnet ihre Modelle als „Originalgemälde“. Sie fertigt von ihnen Fotografien an und überträgt diese auf Leinwandbilder, die sie im Anschluss nochmals mit Farbe überarbeitet. Dabei greift Huanca jene Farben und Formen wieder auf, die sie auf die nackten Körper der Performerinnen gemalt hat. So entsteht eine tatsächliche Verbindung zwischen Bildern und Performerinnen. Die menschliche Gestalt kehrt auch in ihren Plastiken und Assemblagen wieder. In der Wahl ihrer Materialien, wie Samt, Latex oder Leder, verweist Huanca auf die Vergänglichkeit körperhafter Existenz. Ihre Videoarbeiten lenken die Aufmerksamkeit auf die menschliche Haut als vielschichtige Oberfläche, durch die wir die Welt erfahren. Durch das Verschmelzen von Modell, Farbe und Materialien in Nahaufnahmen entstehen sich bewegende Bilder.

Der Titel Piedra Quemada, frei übersetzt mit „brennender oder verbrannter Stein“, verweist auf Huancas Auseinandersetzung mit ihrer bolivianischen Herkunft und den Weltvorstellungen der Inka. Die widersprüchliche Kombination der beiden Begriffe „piedra“ und „quemada“ thematisiert die Dualität, die sich durch das gesamte Ausstellungskonzept zieht: Helligkeit versus Dunkelheit, Unwissenheit versus Weisheit, Jugend versus Alter. Diese Gegensätze sind wichtige Aspekte ihrer Arbeit. Sie finden sich auch in den Fresken des Belvedere wieder. Huanca bezieht sich in ihrer Arbeit in vielerlei Hinsicht auf das Gebäude. So entdeckt man etwa Szenen und Motive von Übergang und Wandel in Huancas Arbeiten ebenso wie in den Räumlichkeiten des ehemaligen Lustschlosses.

Donna Huanca, 1980 in Chicago geboren, studierte Malerei an der Städelschule in Frankfurt am Main, der Skowhegan School of Painting and Sculpture in Maine und der University of Houston in Texas. Piedra Quemada ist Donna Huancas erste große Einzelpräsentation in Österreich, bisherige Museumsausstellungen fanden etwa 2016 in der Zabludowicz Collection in London oder 2018 im Yuz Museum in Schanghai statt. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin. Ihr multidisziplinäres Schaffen verbindet Elemente aus Musik, Performance oder Malerei und umkreist die Themen Weiblichkeit und Geschlechteridentitäten sowie die damit verbundenen Stereotype und Vorurteile. Die Beschäftigung mit dem menschlichen Körper, seiner Präsenz im Raum, sowie sein Einsatz als Material und Medium der Kunst sind zentrale Aspekte in Huancas multidisziplinären Werken.

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