WIFO: Tourismusanalyse Mai bis September 2019

Kaum Nachfragezuwächse im September 2019, dennoch deutlich positive Bilanz nach fünf Sommermonaten

Wien (OTS) - Im September 2019 stagnierte die Zahl der Gästeankünfte mit 3,89 Mio. am Vorjahresniveau (+0,1%), jene der Nächtigungen nahm um 0,6% auf 11,36 Mio. zu. Das bisherige Wachstum von Mai bis August (Ankünfte +3,8%; Übernachtungen +2,8%) schwächte sich damit im gesamten Analysezeitraum auf +3,1% bei Ankünften und +2,4% bei Übernachtungen ab.

Im Zeitraum Mai bis September 2019 setzte sich damit der seit 2010 anhaltende Trend zu mengenmäßigen Nachfragezuwächsen weiter fort: Die Zahl der Gästeankünfte wuchs seither um durchschnittlich 4,0% pro Jahr, jene der Übernachtungen um 2,5% jährlich. Diese Gesamtentwicklung wird vor allem von den internationalen Gästen bestimmt, deren Nachfrage eine kräftigere Dynamik als jene der inländischen Besucherinnen und Besucher aufweist (mit Ausnahme des Jahres 2016) und mit rund 70% auch deutlich stärker ins Gewicht fällt. Gemessen an den Nächtigungen werden von den ersten fünf Sommermonaten bereits etwa 90% der gesamten Saisonnachfrage abgedeckt, der Monat September trägt rund 15% bei. Somit kann in Bezug auf die Mengenindikatoren (Ankünfte, Nächtigungen) bereits jetzt ein Wachstum für die gesamte Sommersaison 2019 erwartet werden, wenn für den datenmäßig noch ausständigen, jedoch von idealen Witterungsbedingungen geprägten Oktober von einem zumindest dem Vorjahresniveau entsprechenden Ergebnis ausgegangen wird.

Hinsichtlich des monetären Erfolges der österreichischen Tourismuswirtschaft ergab eine erste Umsatzschnellschätzung des WIFO[1] für den Analysezeitraum von Mai bis September 2019 ein Zuwachs von nominell 2,8% (das entspricht 11,99 Mrd. €) bzw. preisbereinigt 1,3%. Damit überstiegen die Tourismuseinnahmen sowohl zu laufenden als auch zu konstanten Preisen die bisherigen Höchstwerte des Vorjahres.

In den Bundesländern verlief die Umsatzentwicklung in den ersten fünf Sommermonaten 2019 unterschiedlich: Während Wien weiterhin deutlich vom anhaltenden Städte-Boom in Europa profitieren konnte (nominelle Umsätze +6,8%) und auch Ober- und Niederösterreich (+5,3% bzw. +4,4%) sowie das Burgenland (+3,2%) überdurchschnittliche Zuwächse erwirtschafteten, entsprach das Einnahmenergebnis Salzburgs zu laufenden Preisen jenem Gesamtösterreichs, Vorarlberg lag mit +2,6% nur knapp darunter. Auf den Plätzen folgten die Steiermark und Tirol (+2,2% bzw. +1,4%) ‑ für letzteres Bundesland dürfte damit aufgrund des Nachfragerückganges im September (Ankünfte ‑3,9%, Nächtigungen ‑1,5%) und der insgesamt schwachen mengenmäßigen Entwicklung in den ersten fünf Sommermonaten 2019 (Ankünfte +0,6%, Übernachtungen +1,0%) preisbereinigt eine Stagnation der touristischen Einnahmen eingetreten sein. Kärnten konnte im Analysezeitraum bedingt durch den Nächtigungsrückgang in der Hauptsaison (Juli ‑1,5%, August ‑1,0%) nicht an der österreichweiten Umsatzentwicklung partizipieren: Mit einem gegenüber 2018 kaum veränderten September-Ergebnis (Ankünfte ‑0,4%, Übernachtungen +0,1%) stagnierten auch die nominellen Gesamteinnahmen in der bisherigen Sommersaison 2019 (Übersicht 1).

Übersicht 1: Tourismusentwicklung in der laufenden Sommersaison – auf der WIFO-Website

Wie schon die Hauptsaisonmonate Juli und August war auch der September 2019 wärmer (+0,9 °C) als im klimatologischen Mittel der Jahre 1981 bis 2010 und zudem sonniger als in einem durchschnittlichen Vergleichsmonat. Dennoch schwächte sich die Wachstumsdynamik der Nächtigungen im fünften Sommermonat 2019 mit +0,6% deutlich ab (Juli +2,1%, August +2,2%), die Ankünfte stagnierten (+0,1%). Für den vorläufigen Gesamtverlauf des Sommers 2019 (Mai bis September) bedeutet dies eine Steigerung von 3,1% bei Ankünften (auf den historischen Höchstwert von 22,40 Mio.) und 2,4% bei Übernachtungen (auf 70,38 Mio.; dieser Wert war zuletzt 1992 höher). Die Gäste blieben damit im Durchschnitt für 3,14 Nächte in derselben Unterkunft (‑0,7% gegenüber Mai bis September 2018). Seit der Vergleichsperiode 1993 ging die Aufenthaltsdauer um insgesamt 2 Nächte bzw. knapp 40% zurück. Dies dokumentiert zum einen den langfristigen Trend zu kürzeren, dafür häufigeren Reisen, und zum anderen vermehrte Unterkunftswechsel während einer Reise.

Gäste aus dem Ausland bestimmen weiterhin ganz wesentlich die Entwicklung des österreichischen Tourismus: Sie sind sowohl im Winter (2018/19 +77,3%) als auch im Sommer (2018 +70,2%) für den Großteil des Nächtigungsvolumens verantwortlich. In der bisherigen Sommersaison (Mai bis September) 2019 lag der internationale Nächtigungsanteil bei 70,9%. Das ausländische Gästesegment entwickelte sich auf Basis von Übernachtungen dynamischer als die Binnennachfrage (+2,7% zu +1,8%), bei den Ankünften divergierten die Wachstumsraten kaum (+3,2% zu +3,0%). Unter den 15 wichtigen Herkunftsmärkten, die im Analysezeitraum 85,6% der Nächtigungen aus dem Ausland stellten und zusammen mit +2,4% leicht unterdurchschnittlich wuchsen, verzeichneten die osteuropäischen Länder Rumänien (+13,7%), Polen (+11,2%), Tschechien (+6,6%) und Ungarn (+6,0%) sowie Russland (+10,9%) und Schweden (+6,9%) die höchsten relativen Zugewinne. Der Marktanteil dieser sechs Märkte an der internationalen Gesamtnachfrage beträgt 7,7%. Weiters expandierten im Analysezeitraum die Übernachtungen aus den USA (+4,7%; Marktanteil 2,3%), Dänemark (+4,0%; Marktanteil 0,9%) und den Niederlanden (+3,0%; Marktanteil 7,7%) überdurchschnittlich. Die Gäste aus Deutschland, welche mit einem Marktanteil von 52,9% an den internationalen Nächtigungen den bedeutendsten Quellmarkt im heimischen Tourismus darstellen, nächtigten um 2,3% häufiger in Österreich als im Vergleichszeitraum 2018 und bestimmten so die ausländische Gesamtdynamik maßgeblich (Wachstumsbeitrag 44,2%). Während weiters noch die Übernachtungen von Touristinnen und Touristen aus Belgien und der Schweiz (einschließlich Liechtenstein) einen Zuwachs verzeichneten (+1,9% bzw. +1,0%), stagnierte die Nachfrage aus Frankreich, jene aus Italien ging leicht zurück (‑1,1%). Im Vereinigten Königreich scheint der vorerst verschobene Brexit zunehmende Verunsicherung bei den Konsumentinnen und Konsumenten im Hinblick auf Auslandsreisen zu bewirken: Der Nächtigungsrückgang britischer Österreich-Gäste betrug im September 2016 16,2%, der Rückgang im gesamten Analysezeitraum summierte sich damit auf 5,9%.

Von den einzelnen Unterkunftsarten wiesen in den ersten fünf Sommermonaten 2019 die gewerblichen Ferienwohnungen mit Abstand die stärkste Nächtigungsdynamik auf (+7,6%), aber auch private Ferienquartiere (+3,4%) und die Top-Hotellerie (5/4-Stern +3,2%) entwickelten sich deutlich überdurchschnittlich. Während das 3-Stern-Segment die Nachfrage zumindest schwach steigern konnte (+0,6%), stagnierte sie in 2/1-Stern-Betrieben, in Privatquartieren ging sie dagegen um 0,9% zurück. In den übrigen Unterkunftstypen (Campingplätze, Unterkünfte für Kinder und Jugendliche, Kurheime, bewirtschaftete Schutzhütten und sonstige Unterkünfte) zog die Zahl der Übernachtungen von Mai bis September 2019 insgesamt um 2,3% an.

Pressemitteilung von Statistik Austria (Hochrechnung zu Ankünften und Übernachtungen): http://www.statistik.at/web_de/presse/121986.html


[1] Einen wesentlichen Parameter dieser Schnellschätzung stellt unter anderem die Entwicklung der Nächtigungen, nicht aber jene der Tagestouristinnen und ‑touristen dar; für zweitere liegen keine konsistenten Informationen vor. Weicht das Wachstum der Tagesbesucherinnen und ‑besucher von jenem der Nächtigungen zu stark ab, kann es damit zu Verzerrungen in den Umsatzschätzungen kommen.

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Dr. Oliver Fritz, Tel. (1) 798 26 01-261, oliver.fritz@wifo.ac.at

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