Belvedere 21: Eva Grubinger. Malady of the Infinite

Ausstellung von 22. November 2019 bis 23. April 2020

Mit ihrer ästhetischen Anziehungskraft vermittelt Eva Grubingers Ausstellung ein Gefühl von Begehren. Gleichzeitig verdeutlicht die Künstlerin, wie gefährlich es sein kann, wenn wir als Gesellschaft das Gemeinsame dem individuellen Begehren unterordnen. Mit einer reduzierten, aber gleichsam beeindruckenden Formensprache verbindet Malady of the Infinite Themen wie Luxus, Macht, Freiheit, Ungleichgewicht und Gleichberechtigung zu einer prägnanten Parabel auf unsere angespannte Gegenwart
Kurator Severin Dünser
Eva Grubinger interessiert sich dafür, wie sich die menschlichen Triebfedern Macht, Gier und Begehren auf gesellschaftliche Entwicklungen auswirken. Ihre Skulpturen und Installationen sind voller Assoziationen und hochpolitisch. Sie wecken die Neugier des Publikums und fordern eine Auseinandersetzung heraus
Generaldirektorin Stella Rollig

Wien (OTS) - Eva Grubingers Einzelausstellung im Belvedere 21 zeichnet ein Bild von struktureller Ungleichheit, von unendlichem Begehren ohne Aussicht auf Befriedigung für Reich und Arm, Magnat und Pirat. Macht und Ohnmacht stehen einander auf hoher See gegenüber.

„Eva Grubinger interessiert sich dafür, wie sich die menschlichen Triebfedern Macht, Gier und Begehren auf gesellschaftliche Entwicklungen auswirken. Ihre Skulpturen und Installationen sind voller Assoziationen und hochpolitisch. Sie wecken die Neugier des Publikums und fordern eine Auseinandersetzung heraus“, so Generaldirektorin Stella Rollig.

Eva Grubinger wurde 1970 in Salzburg geboren und lebt in Berlin. Ihr künstlerisches Markenzeichen ist die Verfremdung und Aktivierung von Objekten mittels Vergrößerung, Materialänderung, Reduktion oder Dekontextualisierung. Mit diesen bildhauerischen Stilmitteln schafft die Künstlerin im Belvedere 21 eine skulpturale Szene, die poetische Leichtigkeit mit realer politischer Brisanz verbindet. Malady of the Infinite fokussiert auf ein skulpturales Objekt in der Mitte der Ausstellungshalle: das Cockpit-Chassis einer Superjacht. Obwohl es den Raum dominiert, wird es von anderen, viel kleineren Objekten in Schach gehalten: Die Jacht ist von Seeminen umgeben, die sich aus dem Boden erheben, als würden sie an der Meeresoberfläche treiben.

Malady of the Infinite ist eine künstlerische Reflexion einer soziopolitischen und psychosozialen Stimmung, die als Anomie bezeichnet wird. In dieser Situation sind gesellschaftliche Normen schwach ausgeprägt oder fehlen zur Gänze, sodass sie keine moralische Orientierung geben. Die Dominanz des globalen Kapitalismus in Verbindung mit dem Neoliberalismus erzeugt so eine Atmosphäre sozialer Unverbundenheit, die alle Gesellschaftsschichten durchdringt. Dies geht einher mit der Idee eines uneingeschränkten Horizonts von Möglichkeiten, der allen Individuen Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung verspricht, aber letztendlich zu einem unbegrenzten Begehren führt, das materiell nicht befriedigt werden kann und sich zunehmend verstärkt. Der Soziologe Émile Durkheim spricht vom Phänomen des „Leiden[s] am Unendlichen“.

Eva Grubinger bringt dies in einem Luxusobjekt zum Ausdruck, das weder funktioniert noch befriedigt. Sogar die Jacht – ein Symbol für Macht, Dominanz, Autonomie und fortgeschrittenen Kapitalismus – ist nicht gefeit gegen die Gefahren, die von denjenigen ausgehen, die nichts mehr zu verlieren haben. Das skulpturale Ensemble von Eva Grubinger vermittelt ein Gefühl der Anspannung und formuliert eine düstere Vorahnung. Die Besucher_innen erleben einen eingefrorenen Moment des Konflikts, nur um Haaresbreite vom Untergang entfernt.

„Mit ihrer ästhetischen Anziehungskraft vermittelt Eva Grubingers Ausstellung ein Gefühl von Begehren. Gleichzeitig verdeutlicht die Künstlerin, wie gefährlich es sein kann, wenn wir als Gesellschaft das Gemeinsame dem individuellen Begehren unterordnen. Mit einer reduzierten, aber gleichsam beeindruckenden Formensprache verbindet Malady of the Infinite Themen wie Luxus, Macht, Freiheit, Ungleichgewicht und Gleichberechtigung zu einer prägnanten Parabel auf unsere angespannte Gegenwart“, so Kurator Severin Dünser.

Der Pressetext sowie hochauflösende Pressebilder stehen hier zum Download bereit:

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