Kärntner Tourismuswirtschaft verärgert: Mehrwertsteuer als Bremsklotz mitten in der Pandemie

Europaweit wurden die reduzierten Mehrwertsteuersätze für Umsätze im Tourismus verlängert, nur in Österreich nicht: Politisches Hick-Hack verhinderte eine Einigung.

Klagenfurt (OTS) - Österreichs Tourismus befindet sich längst im europaweiten Wettbewerb: Urlaubsentscheidungen werden abseits von Ländergrenzen getroffen. Eine entscheidende Frage ist dabei das Preis-Leistungs-Verhältnis. Dementsprechend groß ist der Schock über das Nichtverlängern des 5-prozentigen Mehrwertsteuersatzes für Tourismusdienstleistungen in Österreich. Ab 1. Jänner 2022 werden wieder der 10- bzw. 20-prozentige Steuersatz in Kraft treten. Josef Petritsch, Obmann der WK-Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft: „Es ist nicht zu fassen. Unseren Betrieben wird damit ein echter Bremsklotz umgehängt. Anstatt dafür zu sorgen, dass wir mit Schwung aus dem Lockdown starten können, müssen wir uns nun über Preissteigerungen und ausbleibende Gäste den Kopf zerbrechen.“ Zum Vergleich: In Deutschland gilt noch bis Jahresende 2022 ein ermäßigter Steuersatz von 7 Prozent; in Ungarn sind es 5 Prozent; in der Schweiz nur 3,7 Prozent.

„Damit wurde eine Abwärtsspirale für den heimischen Tourismus in Gang gesetzt und das mitten in der Pandemie“, befürchtet der Spartenobmann. Denn unterm Strich werde die Tourismuswirtschaft nun die Preise erhöhen müssen. In den vergangenen eineinhalb Jahren habe man dies trotz steigender Kosten in allen Bereichen nicht getan, da die Mehrkosten über den gesenkten Steuersatz abgefedert werden konnten. „Um kostendeckend wirtschaften zu können, wird es jetzt keine andere Möglichkeit geben, als die Preise zu erhöhen.“ Dadurch wird wiederum das Ausbleiben der Gäste befürchtet. Angesichts der ohnehin schwierigen Situation aufgrund der 2G-Regelung sei dies eine enorme zusätzliche Belastung für die Tourismusbranche.

Unterstützung für Betriebe gefordert
Um die Auswirkungen abzufedern, wird nun zumindest schnelle Unterstützung für die Betriebe gefordert. Stefan Sternad, Obmann der WK-Fachgruppe Gastronomie: „Nachdem uns der Turbo für den Neustart genommen wurde, muss es jetzt ein Sicherheitsnetz für jene Betriebe geben, die durch diese Entscheidung in eine existenzgefährdende Situation gebracht werden.“ Denn die aktuellen Fördermaßnahmen kommen nur zum Teil bei den Unternehmerinnen und Unternehmern an, berichtet der WK-Wirtesprecher: „Viele Investitionen und Aufwendungen werden mit den bisherigen Hilfs- und Unterstützungsmaßnahmen nicht abgegolten.“

Mit Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes wären Unternehmenshilfen nicht notwendig gewesen. Umso größer ist die Enttäuschung über den fehlenden volkswirtschaftlichen Weitblick der Politik, die Betriebe damit wieder zu Bittstellern degradiert. Seit Wochen wurde mit den politischen Entscheidungsträgern intensiv darüber diskutiert, wie wichtig die Verlängerung dieser Maßnahme speziell im europaweiten Tourismus-Wettbewerb sei. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz wurde seitens der Interessenvertretung auch für die von der Pandemie stark betroffene Veranstaltungs- und Freizeitwirtschaft gefordert. Noch im letzten Moment wurde interveniert: Gestern früh erreichte ein Offener Brief aus Kärnten die Nationalratsabgeordneten, in dem alle Fakten auf den Tisch gelegt wurden. Trotzdem gab es bei der Abstimmung im Nationalrat keine Mehrheit für ein Fortführen der Maßnahme. Schuld daran war offenbar politisches Hick-Hack: Aufgrund überzogener Gegenforderungen der Grünen konnte keine Lösung zwischen den Koalitionsparteien gefunden werden.

Leidtragender ist die ohnehin gebeutelte Tourismuswirtschaft, die bereits von den Lockdowns massiv betroffen ist und aufgrund der aktuell geltenden 2G-Regelungen weitere Umsatzeinbußen zu erwarten hat. Anstatt mit heutigem Tag wieder neu durchzustarten, müssen sich die Unternehmer jetzt an den Schreibtisch setzen und sich mit Preisgestaltung und Kostenrechnung beschäftigen. „Dabei sollten wir unsere Energie jetzt ganz in die Wiedereröffnung stecken können“, zeigt sich auch Hotellerie-Obmann Sigismund Moerisch verärgert.

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