Peter Seilern: Quality Growth Investing – Es gibt keine Alternative

Wien (OTS) - Interview mit Peter Seilern nach seinem Vortrag an der Wiener Börse am 20.10.2022

Woher kommt die Idee des Quality Growth Investing?

Sie beruht im Wesentlichen auf gesundem Menschenverstand. Warum sollen sich Anleger auf Risiken einlassen, die sie nicht verstehen und nachvollziehen können? Warum suchen sie nicht nach dem bestmöglichen Investment? Die Idee ist einfach und logisch, die Durchführung aber komplex und zeitaufwendig. Und je mehr Fehler Anleger in ihrem Leben gemacht haben (und beim Investieren passieren regelmäßig zahlreiche Fehler), desto logischer ist die Schlussfolgerung, dass man sich gegen einen dauerhaften Kapitalverlust schützen muss, besonders dann, wenn es um das Vermögen anderer geht.

Was ist dabei die Grundidee?

Die Grundidee besteht darin, ein geringeres Risiko mit einem höheren Kapitalertrag zu vereinen. Das klingt gegensätzlich, da gemäß der Denkweise der meisten Anleger bessere Erträge mit höherem Risiko verbunden sind. Aber die Ergebnisse des QG-Ansatzes sprechen für sich. Der QG-Investor muss Ruhe, genaue Beobachtungsgabe und vor allem Geduld mitbringen. Je geduldiger der Anleger, desto besser werden die Ergebnisse ausfallen. Im heutigen Umfeld sind gerade diese Eigenschaften von äußerster Wichtigkeit. Es ist heute viel leichter, Fehler zu begehen als sie zu vermeiden.

Gibt es Regeln, an die sich QG-Anleger halten sollten?

Ja, eine spezielle Regel für QG-Anleger, besagt, dass es besser ist, sich auf Unternehmen aus OECD-Ländern zu konzentrieren, die mit guten Governance-Kriterien ausgestattet sind.

Welcher war der Ihr erster Fonds?

Der erste Fonds wurde im Jahr 1989 als Mischfonds aufgelegt und das in einer Zeit, als der Rentenmarkt Anleger gewissermaßen „beschützen“ konnte, was heute nicht mehr der Fall ist. Dieser Fonds wurde zwar zwischenzeitlich umstrukturiert und neu domiziliert, besteht aber nach wie vor. Es ist der Seilern Global Trust, dessen depotführende Bank aktuell die LLB ist.

Wie hat sich das eigene Unternehmen SIM entwickelt?

Mein eigenes Unternehmen habe ich 1989 in der Absicht gegründet, das QG-Bewusstsein vor allem in Europa zu verbreiten. Eine weitere Absicht war und ist es, diesen Anlageansatz Pensionskassen und Lebensversicherungen nahe zu bringen, da solche Institutionen verpflichtet sind, im Rahmen der Möglichkeiten langfristig zu agieren.

Wie setzt sich das Seilern-Universum zusammen?

Unser „Universum“ besteht aus zirka 60 Unternehmen die weltweit verteilt sind und sehr bewusst vom Investment Team ausgesucht werden. Die ausgewählten Unternehmen müssen die Zehn Goldenen Regeln des QG-Investierens erfüllen. Eine mühsame und langwierige Arbeit, die aber die besten Aktien der Welt als Ergebnis mit sich bringt.

Wann kam es zur Auflage der weiteren Fonds

Die Seilern Fonds wurden Mitte der Neunziger Jahre in Irland aufgelegt und wurden von Anfang an nach dem QG-Ansatz verwaltet. In dieser Zeit wurde auch das Seilern Team in unserer Verwaltungs-Gesellschaft in London kontinuierlich erweitert. Das Investment Team besteht heute aus zehn Mitarbeitern, die aus sieben Ländern stammen. Enge Kontakte mit QG-Unternehmen in der jeweils eigenen Sprache pflegen zu können, ist von großem Vorteil. Dasselbe gilt für den Kontakt zu unseren internationalen Anlegern.
Derzeit gibt es neben dem schon erwähnten Global Trust, in diversen Ausformungen und Währungen noch drei weitere Fonds: Unser Flaggschiff, der Seilern World Growth und die regional ausgerichteten Fonds Seilern America und Seilern Europa.

Was war Ihre Motivation das Buch „Die besten Aktien der Welt“ zu schreiben?

Mit diesem Buch wollte ich auf die falsche Vermutung hinweisen, dass ein höherer Ertrag unvermeidlicher Weise mit höherem Risiko zusammenhinge. Ich sehe das ganz anders, aber nicht von einer theoretischen, sondern von einer praktischen Perspektive aus, deren Richtigkeit der Erfolg der letzten zwanzig Jahre bestätigt. Es gehört eben dazu, Krisenperioden wie wir sie derzeit erleben durchtauchen zu können, ohne in Panik zu geraten. Das Buch ist auf Deutsch derzeit in der dritten Auflage erschienen und neben der Originalversion auf Englisch auch ins Französische, Spanische, Koreanische und Chinesische übersetzt worden.

Wie bewährt sich der Quality Growth-Ansatz in Krisenzeiten?

Es kommt auf die Krisen an. Weltweite Krisen im Rohstoffbereich, die noch dazu Weltmächte einbeziehen, die miteinander im kriegerischen Konflikt stehen, sind zwar selten, aber lassen keinen Anleger unverschont. Doch die führende Marktstellung von QG Unternehmen ist zweifellos der beste Schutz gegen einen dauerhaften Kapitalverlust. Es gibt daher keine Alternative, und schon gar nicht derzeit. Anders ausgedrückt, QG-Unternehmen bieten in Krisenzeiten, in welchen ihre Aktienkurse unter Druck geraten, eine seltene Kaufgelegenheit, auch wenn diese erst in folgenden Jahren, rückblickend, als solche erkannt wird.

Können Sie bitte einen Ausblick auf aktuelle Entwicklungen geben?

Das Börsenumfeld ist heute denkbar schlecht. Zentralbanken, mit der wichtigen Ausnahme der Bank von Japan, nehmen es mit der Inflationsbekämpfung sehr ernst. Zinsen wurden und werden gnadenlos und aggressiv angehoben, und zwar so lange bis die Inflationszahlen nach unten gerichtet sind. Dabei scheinen heute regionale Rezessionen unausweichlich. Auch eine weltweite Rezession wäre möglich, wie Experten meinen. Zentrales Ziel muss es jedenfalls sein, eine Lohn-Preis-Spirale zu vermeiden. Im heurigen Jahr hat diese Entwicklung sämtliche Anlageformen getroffen. Der Anleger konnte sich nirgends verstecken, und schon gar nicht in festverzinslichen Staatspapieren. Und mit seinem gesamten Vermögen im Energiebereich zu spekulieren, macht keinen Sinn. QG-Aktienkurse blieben nicht verschont, und das trotz der Tatsache, dass die unterliegende Geschäftsentwicklung solcher Unternehmen gar nicht oder kaum von Inflation, Energiekrise oder Pandemie negativ betroffen wurde. Das haben wir sorgfältig über die letzten Quartale verfolgt. Selbst für die Jahre 2023 und 2024 wurden die Wachstumsraten solcher Unternehmen nur sehr wenig nach unten revidiert und bleiben wie erwartet weit über den Durchschnitt. Die langfristigen Perspektiven werden bei solchen Unternehmen nicht tangiert. Es ist mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten, dass diese Aktienkurse sich früher oder später nicht nur erholen, sondern wie gewohnt das derzeit erwartete und künftige Wachstum honorieren werden. Die aktuell herrschende Angst vor den aktuellen politischen Entwicklungen und dem barbarischen Verhalten Russlands, bringt viele Anleger dazu, die Chancen, die QG-Aktien bieten, nicht zu erkennen oder nicht erkennen zu wollen. Und das trotz der Tatsache, dass sowohl die traditionellen als auch inneren Bewertungsindikatoren die heutigen Kurse angemessen erscheinen lassen. Anders ausgedrückt, es wollen die meisten Anleger nicht in die ferne Zukunft blicken, sondern bevorzugen es, sich „still“ zu verhalten. Das beruhigt zwar kurzfristig die Nerven; auf lange Sicht könnte es aber sein, dass eine „goldene Gelegenheit“ nicht als solche erkannt wird. Das wird sich in einigen Jahren herausstellen.Wann immer sich der Inflationstrend wieder nach unten drehen wird, und dieser Zeitpunkt ist heute nicht akkurat festzustellen, werden Leitzinsen Börsenkurse nicht wesentlich herausfordern.Ein Blick auf die fünf wichtigsten Faktoren, die die makroökonomische Entwicklung der Eurozone bis 2023 bestimmen dürften, führt zu den folgenden Schlussfolgerungen: Die Verknappung der Energieversorgung: Die europäischen Länder haben es geschafft, ihre Gasreserven vor dem Winter wieder aufzufüllen. Um jedoch eine Zwangsrationierung zu vermeiden, werden die Verbraucher ihren Gasverbrauch im Winter stark einschränken müssen, was zu einem Rückgang des BIP führen wird, der in den Konsensprognosen noch nicht berücksichtigt ist. Der Inflationsschock: Es besteht die Gefahr, dass sich die Inflation als hartnäckiger erweist als derzeit angenommen, was die Produktion und die reale Kaufkraft der Verbraucher weiter belastet. Der Zinsschock: Die EZB hat eine restriktive Haltung eingenommen, die sie möglicherweise bis 2023 beibehalten wird. Die Zerstörung der Nachfrage ist nicht länger ein Hindernis für die Politik, sondern ihr Ziel. Der Terms-of-Trade-Schock hat die Eurozone in ein Handelsbilanzdefizit getrieben. Allerdings hat die Wirtschaft nicht von der Abwertung des Euro profitiert. Die außenwirtschaftliche Anpassung ist noch nicht abgeschlossen. Fiskalpolitik: Die Regierungen versuchen, den Energieschock mit Hilfe der Finanzpolitik abzufedern. Da es jedoch nach wie vor keine EU-Solidarität gibt, verstärkt diese Maßnahme die Fragmentierungskräfte der Eurozone.

Wir danken für dieses Gespräch. Das Gespräch führten Anatol Eschelmüller und Michael Stadlinger

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