Wenn Einwohner sich vervielfachen

Innsbruck-An Tirol ohne Tourismus zu denken, geht nicht. Zu den 751.000 Einwohnern sind 12,3 Millionen Touristen im Jahr dazuzurechnen. Die hohe Zahl wirkt sich auch auf die Infrastruktur aus. "In Fiss, Serfaus, Ladis versiebenfacht sich die Zahl der Einwohner in der Hochsaison",erklärt der oberste Raumplaner im Land, Robert Ortner. Als Kritik am Tourismus will Ortner seine Grafik nicht verstanden wissen, vielmehr als "Leistungsschau".Es sei jedoch klar, "dass das auch viel Geld kostet". Die Gemeinden müssten Infrastruktur wie Straßen oder Kanäle auf die Maximalbevölkerung auslegen und die Infrastruktur erhalten. "Auf diese Mehrbelastung ist zu achten."

Im Tourismus ging es stetig und dann steil bergauf: 1991 kamen noch acht Millionen Gäste. Es dauerte 17 Jahre, bis die Neun-Millionen-Grenze erreicht wurde. Dann wuchs die Branche immer rascher. Zuletzt produzierten die 12,3 Millionen Gäste rund 49 Millionen Nächtigungen. Tendenziell müssen immer mehr Gäste kommen, um die Nächtigungszahlen zu steigern. Die Aufenthaltsdauer ist auf rund vier Tage gesunken.

"Mehr Gäste bedeuten mehr Verkehr und hier stößt die Infrastruktur an ihre Grenzen", meint Ortner. "In Spitzenzeiten wohnen fast 100.000 Leute im Zillertal. Das sind mehr als doppelt so viele wie sonst."In Skidestinationen ist der Unterschied eklatant. Das Paznauntal muss im Winter mit rund 30.000 Gästen fertig werden, während Ischgl im Sommer den Einheimischen und wenigen Gästen vorbehalten ist. (aheu)