Neue Ideen für die Zukunft der Berggemeinden

Beim Talschaftsfest präsentierten Kärntner und Osttiroler Gemeinden Zukunftsvisionen und konkrete Pläne gegen die Abwanderung.

Vier Gemeinden aus Osttirol und Kärnten erkannten die gemeinsamen Chancen und das Potenzial und schlossen sich zu einer bundesländerübergreifenden Kooperation zusammen. Mit vereinten Kräften wollen sie damit der Abwanderung entgegentreten und ihre Gemeinden lebenswerter gestalten.

Im Frühjahr fand das erste „Talschaftsparlament“, bei dem vier Arbeitsgruppen gebildet wurden, statt. Am Samstag luden die vier Gemeinden Kartitsch, Ober- und Untertilliach sowie Lesachtal zum ersten „Talschaftsfest“ in den Kultursaal Liesing.

Zum Auftakt musizierten Blasmusiker von Obertilliach bis Birnbaum gemeinsam auf der Bühne. „Es soll zusammenwachsen, was zusammen gehört“, mit diesen Worten eröffnete Hausherr und Bürgermeister der Gemeinde Lesachtal, Hans Windbichler, die Veranstaltung. Ziel wird es sein, dass gemeinsam mit der Bevölkerung ein Entwicklungsprogramm erarbeitet und umgesetzt wird.

25Jahre voraus blickte Bürgermeister Matthias Scherer aus Obertilliach und berichtete worüber man sich 2044 freuen kann: „Die Bevölkerung ist in der Region von 3000 auf 4000 Bewohner gestiegen, die Landwirtschaft produziert hochwertige Lebensmittel, der Berufsstand des Bauern ist wieder attraktiv und man ist stolz auf die Talschaftskapelle.“ Kurz gesagt: „Es soll ein länderübergreifender Lebensraum ohne Grenzen geschaffen werden.“

Bürgermeister Josef Außerlechner aus Kartitsch schilderte den „Ist-Stand“ und hielt fest, dass es sich um vier Berggemeinden mit gleichen Problemen wie Abwanderung, Überalterung und so fort handelt. Beim Talschaftsfest präsentierten die Vertreter der vier Arbeitsgruppen „Wirtschaft“, „Familie & Soziales“, „Tourismus“ und „Land- & Forstwirtschaft“ ihre 50 Maßnahmen. So schlägt Markus Unterüberbacher einen runden Tisch für Unternehmer vor und eine Handwerksgemeinschaft zur gemeinsamen Vermarktung.

Für einen Tal-Bus von Kötschach-Mauthen bis Sillian plädiert der Obertilliacher Gerald Scherer von der Sparte Tourismus. Die Schnittstelle zwischen dem Kärntner und Tiroler Verkehrsverbund in St. Lorenzen verursacht unangenehme Wartezeiten für die Busreisenden. Wichtig erscheint Scherer auch ein jährliches Tourismustreffen mit Vermietern, Gastronomen und Landwirten. Die Kooperation im Bereich der regionalen Produkte ist eines der Themen für den Bereich Landwirtschaft, der durch Johann Lugger vertreten wird.

Der Innsbrucker Universitätsprofessor Ernst Steinicke berichtete über Studien und Maßnahmen in den westeuropäischen Alpen. Auch dort war die Abwanderung sehr groß. Ursachenforschung und neue Vorhaben gegen diese Entwicklung zeigen heute wieder einen Bevölkerungszuwachs.

Mit eingebunden waren auch die Schüler der Region. Sie taten an diesem Abend ihre Vorstellungen kund, wo sich die Region hin entwickeln sollte. Die Region soll energieunabhängig werden, Ölheizungen sollten bald kein Thema mehr sein, die Häuser sollten wieder mehr aus Holz gebaut werden und außerdem soll ein Wohnheim für ältere Menschen im Tal entstehen, schilderten die Schüler ihre Zukunftsvisionen für die Berggemeinden.