369 Seilbahn-Millionen und kräftige Ansagen

Tirols Seilbahn-Branche hat die Investitionen massiv erhöht. Obmann Franz Hörl übt scharfe Kritik am "sozialökologischen Milieu".

Innsbruck-Mit durch die frühen Schneefälle verstärktem Optimismus geht die Tiroler Seilbahnwirtschaft in die teilweise bereits angelaufene Wintersaison. In Summe ließen die Seilbahn-Betriebe heuer 369,3 Mio. Euro und damit um fast 107 Mio. Euro mehr als im Vorjahr rollen. Das ist auch ein neuer Rekordwert.

Für neue Seilbahnen und Sessellifte wurde die Investitionssumme von 131,1 auf 191,8 Mio. Euro erhöht, für Beschneiungsanlagen von 49,2 auf 82,4 Mio. Euro. Für Pisten, Zutrittssysteme, Parkplätze, Gastronomie oder Pistengeräte wurde mit 95,1 (nach 81,9) Mio. Euro ebenfalls mehr ausgegeben. Die Seilbahnbranche investiert jährlich etwa die Hälfte oder noch mehr ihres Umsatzes. Laut einer Studie von Manova liegt die Wertschöpfung der Branche bei 493 Mio. Euro, in Summe werde aber für die Gesamtwirtschaft durch die Seilbahn-Nutzer ein fast neunfacher Effekt von 3,1 Mrd. Euro ausgelöst.

Beim gestrigen "Treffpunkt Seilbahnen",dem traditionellen Saisonauftakt in der Wirtschaftskammer in Innsbruck, sparte Seilbahner-Obmann Franz Hörl nicht mit deftigen Ansagen in Richtung ProjektGegner und auch Politik. "Im Gegensatz zu manchen heimischen Politikern sind die Tiroler Seilbahnen nicht nur Spitzenklasse in Österreich, sondern in Zahlen und Fakten absolute Weltspitze." Während die Seilbahnen "zum Feindbild des sozialökologischen Milieus, also von etwa 7 Prozent der Bevölkerung",geworden seien, hätten Seilbahnen und Wintersport international kein Imageproblem.

In verschiedenen Konzernen werde kurzfristig auf den Return of Investment geschaut-ein Denken, das es in den Tiroler Tälern nicht gebe, so Hörl. "Unser Return of Investment sind zufriedene Gäste und Einheimische, die stolz auf ihre Bergbahnen sind."

Alpenvereins-Präsident Andreas Ermacora habe das Bergsteigerdorf Villgraten als Beispiel für funktionierenden sanften Tourismus dargestellt. Mit den "dort urlaubenden wenigen Gästen" seien Tourismuszentren wie Ischgl, Mayrhofen, Sölden oder St. Anton nicht zu befüllen. "Sanfter Tourismus bedeutet den sanften Tod für Tourismusregionen",meint Hörl.

Bei allen Einreich-Projekten müssten sich Seilbahner penibel an Fakten und Regeln halten. "Aber jene, die sich uns als Lieblings-Feindbild ausgesucht haben, können zu jeder Zeit Fake News und jeden Schmarren in die Welt setzen und so Stimmung gegen uns machen." Bei der Diskussion um den Gletscher-Zusammenschluss von Pitztal und Ötztal werde "Meinungsterror und eine Hexenjagd" gegen das Projekt betrieben.

Der Klimawandel finde statt und der Mensch sei zu einem erklecklichen Teil dafür verantwortlich, sagt der Seilbahner-Chef. Das schon vor 20 Jahren prophezeite Ende sei nicht eingetreten, und das werde es auch in Zukunft nicht. Die Seilbahnen setzten massiv auf klimafreundlichen Urlaub. Wo es noch einiges zu verbessern gebe, seien Alternativen zur Anreise mit dem Pkw. Die mit den ÖBB heuer anlaufende Aktion "Mit dem Nightjet zum Schnee" sei ein echter Fingerzeig, so Hörl. "Ich sage daher: Greta Thunberg würde wohl Skiurlaub in Tirol empfehlen. Denn bei uns kommt Öl nur noch in die Pfanne und nicht in den Heizungskeller."

Tirols LHStv. Josef Geisler lobte in Vertretung von LH Günther Platter ("Er muss die unebenen Pisten für Türkis-Grün in Wien begradigen helfen")die Leistungen der Seilbahnwirtschaft. Diese sorge mit dem Tourismus für Wohlstand in den Tälern. Bei Projekten wie Pitztal-Ötztal würden die Behörden sachlich entscheiden, möglicherweise müsse "die eine oder andere Korrektur gemacht werden". (va)