Zufriedener Wälder Tourismus

Egg Schon im Juli durfte sich der Bregenzerwälder Tourismus über eine überraschende und überaus erfreuliche Entwicklung freuen, konnten doch die Nächtigungen gegenüber Juli 2019 leicht gesteigert werden – und jetzt wurde dieses Ergebnis im August noch getoppt: Mit knapp 237.000 Übernachtungen wurde der August 2019 um fast sechs Prozent oder rund 13.000 Nächtigungen übertroffen.

Das „richtige“ Angebot

Nicht nur die Beherbergung jubelt über solche Ergebnisse, auch der Tages- bzw. Ausflugstourismus lief bisher ausgesprochen gut. Zumindest bis zu den coronabedingten Entwicklungen der vergangenen Tage mit Reisewarnung. Wie es in den kommenden Wochen weitergeht, bleibt abzuwarten.

Die Verantwortlichen beim Bregenzerwald Tourismus sehen sich darin bestätigt, was Geschäftsführerin Herlinde Moosbrugger schon nach dem Juli-Ergebnis betont hat: Der Bregenzerwald ist im Vergleich zu vielen anderen Destinationen hervorragend aufgestellt. Dass die Region in der derzeitigen Situation punkten kann, liegt maßgeblich auch an der dezentralen Freizeit­infrastruktur, den relativ kleinen Betriebseinheiten und einem breit gefächerten Angebot an umfangreichen Aktivitäten und Sportmöglichkeiten, die großteils im Freien in der Natur stattfinden. Alles in allem habe der August bestätigt, dass der Bregenzerwald das „richtige“ Angebot hat.

Winter-Gäste im Sommer

Auffallend, dass viele der „neuen Gäste“ in Wirklichkeit gar nicht neu sind, denn angesichts der unsicheren Lage in fernen Urlaubszielen buchen viele Urlauber, die seit vielen Jahren zu den treuen Winter-Gästen zählen, den Bregenzerwald auch für ihren Sommerurlaub. Dabei, so hört man von Hoteliers, haben sie die sommerlichen Schönheiten entdeckt und wandern jetzt dort, wo sie im Winter ihre Spuren im Schnee ziehen.

Drei insgesamt im Plus

Den De-facto-Totalausfall im Mai und das zögerliche Anlaufen im Juni mit einem Nächtigungsminus von gesamt rund 137.000 Nächtigungen wird man auch mit einem guten Herbst nicht mehr wettmachen können, immerhin haben die Ergebnisse im Juli und August einiges aufgeholt, sodass nach zwei Dritteln der Sommersaison „nur“ noch ein Minus von rund 20 Prozent zu Buche steht. Drei Gemeinden schafften es ins Plus: Schröcken hat allein im August rund 37 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zugelegt. In Riefensberg (2019 war das Hotel Hochlitten wegen Modernisierung geschlossen) lag der Sommer 2020 mehr als 33 Prozent über 2019 und Warth, wo im Vorjahr u. a. der Warther Hof wegen Modernisierung geschlossen war, liegen die Nächtigungszahlen heuer ebenfalls fast 30 Prozent über dem Vorjahr.

Mut zu Investitionen

Umgekehrt mussten Mellau (minus 30 Prozent), Bezau (-29 Prozent), Au (-14 Prozent) und Reuthe (-52 Prozent) empfindliche Einbußen hinnehmen, wobei sich das Ergebnis von Reuthe relativiert: Im Traditionshotel Bad Reuthe wurde kräftig investiert, aufgestockt und modernisiert. In den vergangenen Wochen wurde von der Familie Frick in regionaler Zusammenarbeit ein Stockwerk auf das bestehende ovale Badehaus gebaut. Entstanden ist eine beeindruckende Ruhewelt der neuen Art mit dem Namen „Freiraum“. Die Fläche ist ein Oval mit 500 m2 Grundfläche. Das Gesundhotel bringt damit die Themen mentale Entspannung und Achtsamkeit in den Fokus. „Es ist uns wichtig, den Gästen einen Rückzugsort mit viel Platz und Inspiration anzubieten. Wir merken, dass den Gästen Loslassen, Kraftsammeln und Abstandhalten sehr wichtig sind“, so die Geschäftsführerin Jutta Frick. Mut zu Investitionen trotz schwieriger Zeit hatte man aber nicht nur in Reuthe, auch Damüls (Alpenstern), Schröcken (The Heimat, Sonnenhof) oder Warth (Biberkopf) rüsten auf. Abgeschlossen wurde die Neukonzeption der Gams zu zweit in Bezau, wo pünktlich zum Ende des Lockdowns auch die bemerkenswerte Gastronomie – Gams 1648 – im Stammhaus eröffnet werden konnte. STP