Winterbilanz im Tourismus trotz Minus "sehr positiv"

Das Comeback ist gelungen, der Ausblick gut. Einzig: Personal fehlt, Preise steigen. Und dann wäre da noch die Sache mit der Nachhaltigkeit.

Innsbruck -"Solide" sei das Finale nach einer durchwachsenen Wintersaison 2021/22 im Tiroler Tourismus gewesen, denn begonnen hatte diese im Herbst des Vorjahres noch mit Reisebeschränkungen, Risikoeinschätzungen und strengen Restriktionen -Stichwort: Lockdown. Am Ende lagen die Nächtigungen im April 2022 aber nur 0,8 Prozent unter dem Niveau des April 2019 -also vor der Pandemie. Trotz Minus ist also von Erfolg zu sprechen, sagten die Verantwortlichen gestern. Man habe zwei schwierige Jahre "recht gut über die Bühne gebracht, das Comeback ist gelungen, die Anziehungskraft Tirols ungebrochen", schilderte Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Von November 2021 bis April 2022 verzeichnete Tirols Tourismus in Summe also 20,9 Mio. Übernachtungen. Das sind 24 Prozent (oder 6,6 Mio. Nächtigungen) weniger im Vergleich zur Saison 2018/19 - also präpandemischen Zeiten. Ankünfte wurden 4,4 Mio. verzeichnet, hier beträgt das Minus 28,5 Prozent. Die Aufenthaltsdauer ist dafür leicht von 4,4 auf 4,6 Tage gestiegen, was auch daran liegen mag, dass der Städtetourismus -mit wenigen Übernachtungen -noch relativ brachlag. All das brachte 80 Prozent der Wertschöpfung von vor Corona ein. In Zahlen: 2,61 Mrd. Euro. Zwei Drittel der Betriebe zeigten sich mit dem wirtschaftlichen Erfolg im Winter zufrieden, 16 Prozent sogar sehr, schilderte Karin Sailer, Chefin der Tirol Werbung.

Ein Optimismus, der mit in die Sommersaison getragen wird: Knapp drei Viertel der Betriebe sind aktuell mit der Buchungslage (sehr) glücklich. Die Lust auf Urlaub sei trotz Krieg und Inflation hoch. Angst, dass Gäste auf billigere Destinationen ausweichen - der Urlaub in Tirol dürfte teurer werden -, haben die Touristiker nicht. Das Mantra lautet wie immer Qualität. Um diese zu erhalten, könne sich Platter eine Nachhaltigkeitsabgabe für Gäste vorstellen. Details nannte er nicht.

Denn reine Nächtigungs-, Ankunfts-und Wertschöpfungszahlen seien "schon lange nicht mehr das Maß aller Dinge", betonte der Landeschef. In der Saison 2018/19 habe man "den Plafond er-

reicht". Wenn man diesen Sommer gleich abschneidet wie letzten, sei man zufrieden, so Sailer. Im August und September 2021 war die Buchungslage aber ohnehin besser als 2018/19. Es gehe aber darum, "diese Spitzen zu entzerren" und sich in Richtung Ganzjahrestourismus zu entwickeln. Das wäre auch in puncto Mitarbeiter von Vorteil, denn diese - fehlen.

Seit Beginn der Pandemie hat sich die Personallücke bundesweit im Tourismus verdoppelt. Ein Problem, das aber "alle Branchen betrifft", wie Mario Gerber, Spartenobmann des Tourismus in der Wirtschaftskammer, nicht müde wird zu betonen. Um den Mangel in den Griff zu bekommen, werde nun vermehrt im Ausland gefischt - vor allem dort, wo die Jugendarbeitslosigkeit groß ist, etwa in Spanien oder Portugal. Man müsse sich wohl von Seiten der Gäste und des Personals an "Englisch als Sprache gewöhnen", so Gerber -der einmal mehr darauf pochte, dass das Arbeitskräftekontingent aus Drittstaaten erhöht wird. Derzeit können rund 1000 Menschen aus diesen Ländern in Tirol arbeiten.

Auch die Tirol Werbung will aufgrund der neuen Situation nicht nur Gäste, sondern auch Mitarbeiter locken. 5 Mio. Euro wurden bereits in Kommunikationsmaßnahmen für den Sommer investiert. Die wichtigsten Märkte seien nach wie vor Deutschland, die Niederlande und Österreich.