Hotels ausgebucht: Die Rückkehr der touristischen Massen

Der Tourismus in der Stadt Salzburg setzt im Advent zu alten Höhenflügen an. Die gute Nachricht: Die Zahl der Reisebusse ist drastisch gesunken.

hermann fröschlbarbara haimerl salzburg. Es riecht verdächtig nach (alten) Rekorden: Im Advent sind freie Hotelbetten in der Stadt Salzburg schon jetzt Mangelware. Acht Häuser habe sie kontaktiert, überall habe es geheißen, dass nichts mehr frei sei, erzählt eine Leserin. An den Wochenenden und rund um den 8. Dezember sind tatsächlich viele schon ausgebucht, ergab eine Umfrage der Stadttouristiker (TSG). „Superhappy“ ist deren neue Chefin Christine Schönhuber, dass die Lust auf Advent und den Salzburger Christkindlmarkt so groß ist. In der „traumhaften Kulisse“ der Altstadt sei dies „ein einmaliges Erlebnis“. Das Adventsingen funktioniere wie eh und je. Und selbst für Weihnachten und Silvester sollte man sich beeilen, wenn man in der Stadt bleiben will. Das touristische Jahr ist damit schon jetzt gerettet.

Der Andrang sei so stark wie vor Corona, bestätigt Sabine Glas vom Boutiquehotel Auersperg, dessen 50 Zimmer an den Adventwochenenden und um den 8. Dezember ausgebucht sind. Anreisen würden vor allem Gäste aus Österreich, Deutschland und Europa, speziell die asiatischen Gäste blieben noch aus, sagt Glas. Auch die „wunderbaren Gäste“ aus Amerika kämen wieder nach Salzburg, berichtet TSG-Chefin Schönhuber. Das freue sie besonders, weil diese mehr ausgäben als andere. „Die Deutschen teilen sich einen gespritzten Apfelsaft, die Amerikaner kaufen zwei“, sagt Schönhuber, die übrigens selbst aus Bayern kommt.

Das Hotel Auersperg übernimmt für die Zimmergäste die Restaurantbuchungen gleich mit. Geld spielt offenbar keine Rolle. „Die Leute sind beim Preis nicht sensibel und lassen sich den Aufenthalt etwas kosten. Die Zimmerpreise im Advent sind wie immer Festspielpreise“, sagt Geschäftsführerin Glas. Mittlerweile gebe es in der Hotellerie ohnehin kaum noch fixe Preislisten, je nach Anfragen und Auslastung seien die Preise vielmehr dynamisch. Was bedeutet, dass man kräftig zahlen muss, wenn wie jetzt hohe Nachfrage auf wenig Angebot trifft. Die Gäste buchten tatsächlich „immer kurzfristiger“, sagt Margot Weindorfer, Chefin im Salzburger Hotel Stein. Sie leitet auch die Häuser der Hotel Amadeus GmbH in der Goldgasse und in der Linzer Gasse. Aufgrund der Teuerung und der gestiegenen Energiekosten habe man die Zimmerpreise leicht erhöht. „2023 werden wir sie noch einmal anpassen müssen.“ Ausgezeichnet gebucht sei auch das Restaurant auf der Dachterrasse im Hotel Stein. „An den Wochenenden und zu Weihnachten und Neujahr ist kaum noch etwas frei.“

„Dringend nötig“ sei die Rückkehr zu alter Stärke und Normalität, sagt Stadthotelier Georg Imlauer, der auch Sprecher der Hoteliers in der Salzburger Wirtschaftskammer ist. Die Branche habe während Corona stark gelitten und „viel aufzuholen“. Ganz traut Imlauer dem wohlriechenden Braten nach den bitteren Erfahrungen der vergangenen Jahre freilich noch nicht. „Mal schauen, ob Corona wirklich überstanden ist. Und in der Ukraine nicht noch Schlimmeres passiert.“

Das Comeback des Salzburger Tourismus ist seit Monaten im Gang. Fulminant nennt des Leo Bauernberger, der oberste Touristiker des Landes. Tatsächlich war die Sommersaison (Mai bis Oktober) salzburgweit die beste aller Zeiten (siehe rechts). Auch in der Stadt haben sich die Nächtigungen von Jänner bis Oktober fast verdoppelt (plus 83,2 Prozent). Mit über 100 Prozent fuhr die Fünf-Sterne-Hotellerie das größte Plus ein. Fürs ganze Jahr rechnet TSG-Chefin Schönhuber mit 2,5 Mill. Nächtigungen. Damit liegt man unter den 3,3 Millionen von 2019. Allerdings waren heuer die ersten Monate wegen Corona noch ein Vollausfall.

Dass die Rückkehr der Massen flugs auch die alten Debatten um verstopfte Straßen und zu viele Touristen neu entfachen wird, ist für Imlauer absehbar. „Fürchten davor tu ich mich aber nicht.“ Die 15.000 Gäste in den Hotels seien ja kein Problem. „Es geht um die Reisebusse und Tagestouristen, das sind ja drei Mal so viele.“ Und dieses Problem müssten Politik und die Stadttouristiker lösen.

Tourismus-Chefin Schönhuber überrascht mit ihrer Einschätzung zu den Reisebussen und ist optimistischer, die alten Debatten in Zaum zu halten. Sie beobachtet in der Busbranche dauerhafte Einschnitte nach Corona. Speziell in Deutschland hätten einige nicht überlebt. Die Zahlen belegen, dass heuer tatsächlich viel weniger Reisebusse in die Stadt kamen. Bis Ende Oktober waren es 10.000, nicht einmal ein Drittel von 2019. Und selbst die Buchungen für die anstehenden ersten zwei Adventsamstage liegen mit 90 bzw. 62 Bussen weit von 2019 (233 bzw. 302) entfernt. Natürlich würde die Zahl noch steigen, auch seien nächstes Jahr mehr asiatische Gäste in Reisebussen zu erwarten. Aber: „Es schaut danach aus, dass die Busse nicht mehr so stark zurückkommen.“

Auch wenn das viele noch nicht recht glauben mögen: Vor wenigen Jahren rollten 50.000 Reisebusse pro Jahr in die Stadt. Als man bis 2019 die Einfahrt auf zwei Terminals (Salzburg-Süd, Paris-Lodron-Straße) konzentrierte und 70 Euro pro Buchung verlangte, waren es noch 38.000. Bernd Huber, Leiter im Bürgermeisterbüro, erinnert daran, welch heftige Einbrüche die Stadt mit Corona erlitten hat. So gesehen seien die Kontroversen um zu viele Touristen schon 2019 „eine Luxusdebatte“ gewesen.