Mangelberufe auf neuem Rekordhoch

Die Liste an Mangelberufen ist so lang wie nie zuvor. Gewerkschaft sieht darin eine Bankrotterklärung der Fachkräfteausbildung im Land.

Wien - Angesichts des Fachkräftemangels in Österreich ist die Liste der Mangelberufe so lang wie nie zuvor. Die Liste für 2023, die in Begutachtung gegangen ist, führt die Rekordzahl von 100 bundesweiten sowie 58 regionalen Berufen auf, wie das Wirtschaftsministerium informiert. Für diese Berufe gibt es erleichterte Zulassungsvoraussetzungen zur Rot-Weiß-Rot-Karte und damit zum Arbeitsmarkt.

Neu auf der Bundesliste sind laut Ministerium 29 Berufe -darunter etwa Elektromechaniker, Diplomingenieure für Bauwesen und Speditionsfachleute. Die Liste der regionalen Mangelberufe führt Oberösterreich mit 44 länderspezifischen Berufen an. Für Tirol werden 12 regionale Mangelberufe angegeben. Als Mangelberuf gilt ein Beruf, wenn weniger als 1,5 Arbeitssuchende pro Stelle zur Verfügung standen. Aber auch Berufe mit besonderem Bedarf können in die Liste aufgenommen werden.

Vida-Gewerkschaftschef Roman Hebenstreit sprach von einer "Bankrotterklärung der österreichischen Fachkräfteausbildung". Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte und der erweiterten Mangelberufsliste würden falsche Anreize gesetzt: "Branchen, die sich nicht um Personalvorsorge kümmern, werden belohnt." Für den Tourismus ist die Rot-Weiß-Rot-Karte auch nur bedingt geeignet, teilte die Wirtschaftskammer Österreich mit. Tourismus-Bundessprecher Robert Seeber forderte Maßnahmen wie etwa tourismusgerechte öffentliche Kinderbetreuungsplätze, bessere steuerrechtliche Bedingungen für temporäre Arbeitskräfte, Überstunden und Mitarbeiterwohnungen. In Tirol fehlten weit über 1000 Saisonniers.

Trotz Arbeitskräftemangel zeigte sich unterdessen LH Anton Mattle (ÖVP) hinsichtlich einer Arbeitserlaubnis für Asylwerber, die gute Chancen auf einen positiven Bescheid haben, "skeptisch". Er wolle nicht, dass der "Anreiz", nach Österreich zu kommen, größer werde. LHStv. Georg Dornauer (SPÖ), der für die Integrationsagenden zuständig ist, zeigte sich offener. "Über das sollte man jedenfalls debattieren." (mas, APA)